Warum gerade Raisting?

Als im Jahre 1961 mit den Planungen für das Radom Raisting begonnen wurde, fand eine umfangreiche Standortsuche ihnen Abschluss. Unter 11 untersuchten Standorten in der ganzen Bundesrepublik bot sich Raisting in mehrfacher Hinsicht besonders an.

Radom im TalEin Satellit, den man auf einer Höhe von rund 36.000 Kilometern über dem Erdäquator positioniert, steht vom Boden aus gesehen immer an der gleichen Stelle am Himmel. Er sinkt niemals unter den Horizont und erlaubt eine ununterbrochene Funkverbindung – ideal für den inter­kontinentalen Fernseh- und Fernsprechverkehr. Für eine Erdfunkstelle, die mit Satelliten auf dieser Umlaufbahn kommunizieren soll, ist ein südlicher Standort vorteilhaft: Der Satellit erscheint dann höher am Himmel und das Funksignal legt eine kürzere Wegstrecke durch die störende Erdatmosphäre zurück. Damit trat eine Lage in Süddeutschland in den Fokus.

Die empfangenen Satellitensignale waren damals derartig schwach, dass sie mühelos durch andere, irdische Sender hätten überstrahlt werden können. Ein besonders wichtiges Kriterium war daher die Abwesenheit von störenden Sendeanlagen in der Umgebung des Standorts, wie beispielsweise Richtfunkstrecken oder Radaranlagen. Durch die Lage in einem weiten Tal, der so genannten „Raistinger Wanne“, wurde diese Forderung in Raisting besonders gut erfüllt: Die umgebenden Hügel schirmen einen Großteil des störenden irdischen Funkverkehrs ab, sind aber dennoch so niedrig, dass sie die Sicht an den Himmel nicht erheblich behindern (siehe Foto).

Für die schweren Antennenanlagen war ferner ein hinreichend tragfähiger Bau-Untergrund nötig, den man in Raisting vorfand. Auch die umgebende Infrastruktur, wie die Bahnstrecke Geltendorf-Weilheim und die Möglichkeit, zur Ausfallsicherheit zwei leistungsfähige Stromversorgungen von unabhängigen Umspannwerken zur Anlage zu führen, waren ausschlaggebend für die Standortentscheidung.