Das Ohr ins Weltall

Das Radom beherbergt eine Parabolantenne mit einem Durchmesser von 25 Metern. Die Antenne wurde in den Jahren 1963 und 1964 in Einzelteilen in das bereits aufgeblasene Radom gebracht und im Inneren mit einem großen Portalkran zusammengesetzt. Hauptverantwortlich waren die Firmen MAN für die Struktur und Siemens für die elektrische Ausstattung.

Die Anlage ist eine sogenannte Cassegrain-Coudé-Antenne. Das bedeutet, dass die elektromagnetische Strahlung von einem Satelliten am großen Antennenreflektor zunächst auf einen kleinen Subreflektor, der sich vor der Schüssel befindet, reflektiert wird. Von dort fällt die Welle in das Antennenhorn – eine sich verjüngende Röhre mit einem Knick, die das Satellitensignal durch eine der Antennenachsen hindurch in den oberen Betriebsraum führt. Dort kann das Satellitensignal abgegriffen und dem eigentlichen Empfänger zugeführt werden. Diese Bauart stellte seinerzeit eine völlige Neuheit dar.

Im unteren Betriebsraum sind die Sendeanlagen und die Steuerung für die Antennenachsen untergebracht. Während seines Laufs um die Erde verändert ein Satellit seine Position am Himmel. Selbst geostationäre Satelliten, die im Wesentlichen immer an derselben Stelle des Himmels stehen, verändern ihre Position doch ein wenig. Diese Positionsänderung muss von der Antenne nachverfolgt werden, um die Kommunikationsverbindung nicht abreißen zu lassen.


Während des kommerziellen Betriebs der Antenne im Radom Raisting gab es zwei verschienene Modi zur Satellitenbahnverfolgung. Mit einer frühen Rechenanlage konnte die Bahn des Satelliten vorausberechnet und auf einem Lochstreifen gespeichert werden. Die Positionswerte wurden dann während der Bahnverfolgung wieder vom Lochstreifen eingelesen und die Antennachsen entsprechend angesteuert. Als eine weitere Möglichkeit der Bahnverfolgung konnte ein sogenannte Modenkoppler direkt anhand von Abweichungen des Kommuikationssignals die Fehlstellung der Antenne erkennen und korrigieren.

   
Die Antenne wurde in Einzelteilen angeliefert...
  ... und im Inneren des Radom zusammen­gesetzt. (Hier: Montage des Fangspiegels.)   Auch Hilfsaggregate, wie hier die Helium­ver­flüssigungsanlage zur Kühlung des Empfängers, wurden aufgebaut.

Die Steuerung für die Antennenachsen wurde gemeinsam von Studierenden der TU München und vom Förderverein Radom Raisting e.V. repariert und wieder in Gang gesetzt. Zusätzlich wurde die Möglichkeit geschaffen, die Antenne von einem üblichen PC anzusteuern. Dabei wurde stets im Respekt vor der Eigenschaft der Antenne als Denkmal gehandelt; insbesondere wurde kein historischer Bestand zurückgebaut. Durch diese Maßnahme ist die Antenne heute wieder funktionsfähig und wird für wissenschaftliche Projekte genutzt, über die Sie im Abschnitt Labor näheres erfahren können. Zugleich ist die Antenne das Hauptexponat des entstehenden Museums.